Archivgeschichten

Adam Schilden Wevelinghovens „Blücher“

 

Wenn heute die Wevelinghovener Schützen von „Blücher“ reden, dann ist damit nicht der preußische Feldmarschall Gebhard Leberecht von Blücher gemeint, der durch die Schlacht bei Waterloo bekannt wurde. Gemeint ist dann Adam Schilden, der unter dem Spitznamen „Blücher“ über die Grenzen Wevelinghovens hinaus bekannt war.

Adam Schilden wurde am 11. November 1916 in Wevelinghoven geboren und war schon seit frühester Jugend mit Leib und Seele dem Bürger-Schützen-Verein zugetan. Er wurde Mitglied des Jägerzuges „Jungschützen“, in dem er bis Kriegsausbruch mitmarschierte. Maßgeblich war er seit 1948 am Wiederaufbau des Bürger- Schützen-Verein beteiligt. Ein Jahr später war er Mitbegründer des Jägerzugs „Alte Kameraden“, dessen Hauptmann er wurde und die sich stolz „Blücheraner“ nannten. 1953 wurde er Jägermajor neben Jägeroberst Adolf Krall. Nach dessen Tod übernahm er die Führung des Jägercorps als Jägeroberst. In der Generalversammlung am 14. Mai 1966 wurde er schließlich zum Regimentsoberst als Nachfolger des verstorbenen Dr. Friedrich-Karl Kottmann gewählt; zwei Jahre später wurde er zum Generaloberst befördert. Im Jahre 1959 trug der Ur-Wevelinghovener mit seiner Frau Eleonore das Königssilber.

Sein plötzlicher und unerwarteter Tod am 8. Oktober 1980 zog einen Schlussstrich unter ein Leben, das neben seiner Familie nur dem Bürger-Schützen- Verein gewidmet war. Bekannt sind heute noch seine humorvoll - bissigen Worte gegenüber allen, die jenseits Wevelinghovens Grenzen herstammten. Besonderen Attacken waren speziell die Grevenbroicher Schützen ausgesetzt. Dass dies jedoch nicht ernst gemeint war, bewies seine herzliche Freundschaft zu seinem Grevenbroicher Pendant, Oberst Erich Köppen. Adam „Blücher“ Schilden nimmt einen Sonderplatz in der Geschichte des Bürger-Schützen-Verein ein. Regiment und Verein wurden durch seine Arbeit bis heute mitgeprägt; sie waren und sind Spiegelbild seines Wirkens.

Ein Mann der die Vereine der Gartenstadt nachhaltig mitgestaltete

 

Durch die eindeutigen Worte in dem Nachruf von Dr. Friedrich–Karl Kottmann durch Präsident Jakob Esser wird deutlich, dass durch den plötzlichen Tod dieses Mannes Wevelinghoven einen großen Sohn verloren hatte:

Er „hat sich um seine Heimatstadt, sein Wevelinghoven, höchste Verdienste erworben. Sein stets hilfsbereites, aufopferndes Wirken in unseren Reihen hat den Vereinen unserer Vaterstadt unverkennbar seinen persönlichen Stempel aufgedrückt.“

Als waschechter Wevelinghovener wurde er am 5. April 1917 geboren. Nach Beendigung des Krieges und nach Abheilung seiner schweren Verwundung ließ er sich als praktischer Arzt in der Gartenstadt Wevelinghoven nieder; diese Arbeit erfüllte ihn bis zu seinem frühen Tode. Seine gesamte Freizeit widmete er seiner Heimatstadt und den Vereinen, für die er sich stets in ideeller und materieller Weise bereitwillig einsetzte. So war er Vorsitzender des Turn-Verein "Germania“, Präsident des MGV „Cäcilia“, 2. Vorsitzender des Ballspielverein Wevelinghovens und Vorstandsmitglied des DRK Ortsverbandes Wevelinghoven.

In erster Linie jedoch war er mit Leib und Seele dem Schützenwesen verbunden. Bereits dem 1949 wiedergegründeten Bürger- Schützen-Verein gehörte er als Vizepräsident an, seit 1954 bekleidete er zusätzlich das Amt des Regimentschefs. Mit seiner Frau Waltraud erfüllte er sich im gleichen Jahr 1954/1955 den Großen Traum als Schützenkönigspaar.

Am 12. Oktober 1965 starb er, völlig unerwartet und erst 48 Jahre alt. Unter großer Anteilnahme der Stadtverwaltung, der Bevölkerung und der Vereine wurde er auf dem evangelischen Friedhof beigesetzt.

Nur ein kurzes Intermezzo: Das Winterfest

 

Als sich im Jahre 1949 erstmalig der wieder gegründete Schützenverein präsentierte, wurde ein Problem ganz offensichtlich: Neben der sehr angespannten finanziellen Situation waren durch den furchtbaren Krieg viele Schützenbrüder gefallen oder aber der Uniform und des Schießens überdrüssig. Um dem jungen Verein das Überleben zu sichern, musste sich der Vorstand also etwas einfallen lassen, damit das Interesse am aktiven Mitmachen wieder wuchs.

Nach eingehenden Diskussionen und Planungen entschied sich der Vorstand um den jungen Präsidenten Jakob Esser, im Winter regelmäßig ein gemütliches Beisammensein aller Mitglieder zu organisieren. Es sollte eine Mischung aus Ball, Verlosung und humoristischen Vorträgen werden. Das Winterfest war geboren. Man ging von folgenden Überlegungen aus:

1. Aufgrund der allgemeinen Nachkriegsnotlage der hiesigen Bevölkerung wurde diese Jahreszeit gewählt. Eine große Verlosung von sowohl Nützlichem (Seife, Fleischwaren, Zucker) als auch Luxuriösem (Spirituosen, Süßigkeiten) sollte das Interesse der Mitglieder wecken, denn nur diese waren zum Fest mit ihrem Partner eingeladen.

2. Man nutzte das Bedürfnis der Bevölkerung nach Zerstreuung, welches nach dem verheerenden Kriege besonders groß war. Deshalb sollte eine bekannte Kapelle den Ball begleiten. Für die Pausen waren humoristische Beiträge, wie Büttenreden o. ä. geplant.

3. Man lud ausschließlich Mitglieder bei freiem Eintritt ein; zum einen waren die örtlichen Platzangebote für diese Veranstaltung recht begrenzt, zum anderen sollten andere Interessenten zum Eintritt in den Verein bewogen werden.

Alle Vorstandsmitglieder waren aufgerufen, bei der Austragung des Festes aktiv mitzuwirken, sei es Preise für die Verlosung bei den örtlich ansässigen Firmen zu erfragen oder weitere organisatorische Aufgaben, wie etwa Losverkauf, zu übernehmen. Der Aufwand war bemerkenswert: Für das erste Winterfest, das am 25. Januar 1953 im Saale Schnorrenberg stattfand, waren 3000 Lose für je 20 Pfennig verkauft worden; 215 hochwertige Preise kamen zur Verlosung. Als Musikkapelle spielte die damals regional bekannte Musikkapelle Jansen aus Mühlrath mit 9 Musikern auf.

Die Rechnung des Vorstandes ging auf; nach Abzug aller Kosten konnte der Verein einen beträchtlichen Gewinn von 411,50 DM verbuchen! „Dieser Reingewinn ist absprachegemäß auf die einzelnen Corps bzw. Züge nach Kopfzahl umzulegen und an dieselben auszuzahlen, zur Verwendung für Fackelbau, notwendigen Anschaffungen etc.“ heißt es in den Unterlagen. Für das Jägercorps kamen 120 DM, für die Grenadiere 50 DM direkt zur Auszahlung, der Restbetrag wurde zentral vom Schatzmeister verwaltet.\n\n Die Veranstaltung war in den weiteren Jahren erfolgreich, bereits im folgenden Jahr erhöhte sich die Zahl der Preise zur Verlosung auf 270, im Jahre 1955 waren es bereits 300 Preise. Jedoch ab 1956 zeichneten sich einige Veränderungen ab, die diese Veranstaltung entscheidend beeinflussen sollten. So wurde statt der (preiswerten) Kapelle Jansen 1956 aufgrund gestiegener Ansprüche die bekanntere (und teurere) Kapelle "Warwass" aus Düsseldorf verpflichtet. Während in der Einladung im Jahr zuvor noch der Eintritt frei war und lediglich an die Schützen appelliert worden war, einen freiwilligen Beitrag zu leisten, wurde dieser Kostenbeitrag ab 1957 bereits Pflicht. Mangels Unterlagen ist davon auszugehen, dass der anfänglich erwirtschaftete Überschuss aus dem Winterfest sich in den wenigen Jahren so sehr verringert hatte, dass sich eine weitere Durchführung nicht mehr lohnte. Im Jahre 1957 wurde keine Verlosung mehr durchgeführt, und ab 1958 wurde diese anfänglich so erfolgreich gestartete Veranstaltung gänzlich eingestellt.

Adolf Krall - ein Vereinsmensch durch und durch

 

Adolf Krall wurde am 27. September 1876 in Kapellen geboren. Seinen Wehrdienst leistete er von 1896 bis 1898 bei der 1. Eskadron der 2. Westfälischen Husaren im Regiment Nr. 11 in Düsseldorf. Danach arbeitete er 43 Jahre seines langen Lebens bei der Reichs-, später bei der Bundesbahn, hauptsächlich auf den Stellwerken in Grevenbroich und Kapellen.

1924 war er Mitbegründer des Bürger-Schützen-Vereins; hier hat er eine lange Offizierslaufbahn hinter sich. Im Laufe der Jahre war er Hauptmann, ab 1932 Jägermajor bzw. Jägeroberst, und er wurde schließlich 1955 zum Ehrenoberst ernannt. Ab 1938 leitete er die Geschicke des Schützenvereines als 1. Vorsitzenden bis zur Wahl des ersten Nachkriegspräsidenten, Dr. Pütz im Jahre 1949.

Adolf Krall war ein Vereinsmensch; neben seinem Engagement im Bürger-Schützen-Verein leitete er ab 1948 lange Jahre den hiesigen Ziegenzuchtverein. Außerdem war er eifriger Kegelsportler. Mit seinem Klub „Gut Holz“ wurde immer mittwochs in der „Erftruhe“ gekegelt. In seiner knapp bemessenen Freizeit widmete er sich außerdem dem Angelsport. Seine Frau Agnes gebar ihm fünf Söhne, von denen noch drei bei seinem Tode lebten. Er starb im hohen Alter von 86 Jahren am 16. Dezember 1962, nur 35 Tage nach dem Tode seiner geliebten Frau.

Leonhard Jungverdorben - erster Oberst des Regimentes

 

Leonhard Jungverdorben war der erste Oberst des am 2. November 1924 gegründeten Regimentes des Bürger-Schützen-Verein Wevelinghoven und füllte diese ehrenvolle Aufgabe bis 1929 aus.

Er wurde am 8. Oktober 1863 als waschechter Wevelinghovener geboren und vermählte sich mit der eineinhalb Jahre jüngeren Gertrud Forst, ebenfalls gebürtige Wevelinghovenerin. Gemeinsam hatten sie neun Kinder, von denen allerdings zwei sehr früh starben.\n\n Leonhard Jungverdorben erlernte den Beruf des Metzgers; sein Geschäft und seine Wohnung waren auf der damaligen Poststraße 102. Er liebte seinen Beruf, und so schaffte er es bis zum Ehrenobermeister der Fleischer-Innung des Kreises Grevenbroich. Neben weiten Aktivitäten in anderen Vereinen war er langjähriger Stadtverordneter in seiner Heimatstadt Wevelinghoven. In den letzten Jahren hinderten Lähmungen jede weitere Tätigkeit. Schließlich starb er am 7. März 1939 und wurde am 13. März von seinem Hause von der nun umbenannten Hindenburgstraße 102 aus auf dem örtlichen Friedhof beerdigt. Seine Frau folgte ihm ein halbes Jahr später.